Gestaltgesetze
Das Gesetz der Nähe
Inhaltliche Zusammengehörigkeit wird von Menschen durch Nähe der Objekte zueinander empfunden. Abstände, besonders bei Textausrichtung, sind hier ein wichtiges Werkzeug. Deshalb wird die Überschrift dieses Textblockes zu diesem zugeordnet und nicht zu dem vorhergehenden.Das Gesetz der Ähnlichkeit
Auch Objekte die ähnlich aussehen werden als zusammengehörig empfunden (s. Abbildung 1).
Abbildung 1 Geometrische Figur durch Ähnlichkeit
Wenn man die Abbildung 1 intensiver betrachtet, wird man schnell ein angedeutetes Quadrat feststellen. Das beruht auf Erfahrungswerten, die unser Gehirn abstrahiert und aus denen es uns eine Form erkennen lässt. Bei der Webseitengestaltung können wir daraus lernen, dass wir unterschiedliche Dinge und Funktionen möglichst in Form und Farbe verschieden darstellen. Elemente die gruppiert werden sollen, können wir durch das Gesetz der Nähe und das Gesetz der Ähnlichkeit formieren.Das Gesetz der Geschlossenheit
Das menschliche Gehirn erfasst geschlossene Objekte besser als offene. Des wegen versucht unser Geist zunächst, in Unbekannten eher so genannte geschlossene Objekte hineinzuinterpretieren bzw. ganze Formen zu sehen (s. Abbildung 2). Man nennt dies auch den Gestaltschluss oder Gestaltungszwang.
Abbildung 2 Imaginärer Würfel
Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Gestaltpsychologie
Das Prägnanzgesetz
Das Gesetz der Prägnanz oder auch Gesetz der Einfachheit besagt, dass einfache und geschlossene Formen sich gegenüber komplexeren Objekten abheben. Menschen nehmen Objekte bevorzugt wahr, die einfacher zu erfassen sind (s. Abbildung 3).
Abbildung 3 Komplexe Formen weichen einfachen
In Abbildung 3 zeigt A eine zusammengesetzte Figur aus einer abgerundeten und einer eckigen Wellenlinie. Unser Gehirn erkennt beide Formen als nicht Zusammenhängend und trennt beide wie unter B. Unter C sieht man eine komplexere Alternative die das Gehirn außer Acht lässt, da die Formen unter C eher untypisch wären. Fazit dieses Gesetzes für einen Webdesigner liegt in der einfachen Gestaltung von Elementen. Komplizierte Strukturen die das Gehirn herunterbricht auf einfachere wodurch der Sinn verschleiert wird, gilt es zu vermeiden.Das Fortsetzungsgesetz
Das Fortsetzungsgesetz beruht auf intuitivem Zusammenschluss von ähnlich aussehenden Objekten zu einer Folge (s. Abbildung 4).
Abbildung 4 Das Auge setzt die vermeintliche Reihe fort
Die Abbildung 4 zeigt im wesentlichen nur schwarze Punkte. Intuitiv wird aber bei der Beschreibung der Abbildung zu einer Interpretation gegriffen: Eine Kurve oder eine einzelne Welle. Das Auge macht aus den einfachen Punkten eine Linie. Dieser „Fortsetzungsdrang“ beschränkt sich nicht nur auf einfache Objekte wie in Abbildung 4, sondern wird auch auf Webseiten unbewusst angewandt, um Inhalte besser von einander zu trennen. Es handelt sich hierbei ebenfalls um ein Phänomen, das dem Gestaltschluss-Grundsatz entstammt.Das Symmetriegesetz
Symmetrie wirkt auf das Auge des Betrachters automatisch zusammengehörig (s. Abbildung 5).
Abbildung 5 Symmetrische Formen dominieren
Umgekehrt werden Objekte die keiner Symmetrie angehören als unwichtig eingestuft und treten in den Hintergrund. Symmetrie dominiert unsere Wahrnehmung. Auch dieses Gesetz sollte bei der Gestaltung einer Webseitenstruktur Beachtung finden. Insbesondere die Anordnung von Textblöcken bei einem mehrspaltigen Layout hat hier einen gestalterisch nutzbaren Einfluss.Das Erfahrungsgesetz
Die Erfahrung der Menschen verhilft ihnen nicht vollständig Gezeigtes automatisch zu ergänzen. In der Webseitengestaltung werden oft stark abstrahierte Icons verwandt, welche den Kern der Bedeutung abbilden und so der Betrachter dessen Aussagekraft erkennt. Abstraktion war und ist auch für Maler ein mächtiges Werkzeug (s. Abbildung 6).
Abbildung 6 Abstrahiertes Zebra
Die Erklärungskraft von Icons wird oft überschätzt. Grundsätzlich ist zu sagen, dass das Einsetzen von Icons nur eine Behelfslösung ist. Webseiten sollten selbsterklärend gestaltet sein.
Abbildung 7 Ergänzung fehlender Informationen durch Erfahrung
Das Lesen des Textes von Abbildung 7 wird niemandem schwer fallen, da die Buchstabenkombinationen der Wörter jedem vertraut sind und der Betrachter auch nur mit der Hälfte der Information auskommt um den Text zu erfassen.
Abbildung 8 Kontext beeinflussende Wahrnehmung
Abbildung 8 zeigt das der Kontext Einfluss auf die Bedeutung von Objekten hat. In der oberen Zeile erkennt man das mittlere Symbol deutlich als „B“ und in der unteren wird das gleiche Symbol zur „13“. Unser Gehirn versucht immer eine Logik mit hinein zu interpretieren, ein „B“ hätte nicht in die Folge der Zahlen gepasst. Das Gesetz der Erfahrung zeigt offensichtlich, dass der Besucher jede ihm bekannt gemachte Symbolik auf einem anderen Kontext übertragen kann. D.h. wenn nötig, sollte man den kleinsten gemeinsamen Nenner an Icons und Abstraktionsgrad finden, so dass der „Standard“-Besucher den Sinn der visuellen Aussagen erfassen kann. Dennoch ist darauf zu achten, dass so wenig Icons und erklärende Elemente wie möglich eingesetzt werden, denn diese deuten nur auf die Versäumnisse im Usability-Engineering.

Samstag, 20. März 2010 14:08
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